No. 2

Was empfindest du, wenn du dir das Bild darüber ansiehst?

 

Etwas Positives? Etwas Negatives? Hoffnung? Angst? Zuversicht? Glaube?

Ganz egal, was es ist. Keine Antwort ist richtig. Keine Antwort ist falsch.

Wenn aber keine Antwort von Belang ist, warum habe ich dir dann zu Beginn überhaupt diese Frage gestellt? Moment! Nur weil etwas weder richtig, noch falsch sein kann, bedeutet das nicht, dass es nicht von Belang wäre.

Warum gibt es dann weder eine richtige, noch eine falsche Antwort?

Weil dieses Bild nicht das Ziel hat, ein ganz bestimmtes Gefühl in dir hervorzurufen.

Stattdessen bietet es dir eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit auf ein Abenteuer zu gehen, Neues zu entdecken und sogar mehr über dich zu erfahren. Aber dazu musst du dich auf dieses Bild einlassen.

Bei der emotionalen Fotografie dreht es sich nicht darum, was die Künstlerin oder den Künstler zu ihrem bzw. seinem Motiv bewogen hat, noch, was sie oder er selbst dabei empfindet oder was überhaupt darauf abgebildet ist. Sie stellt keinerlei Anspruch auf Perfektion, will nicht bewertet werden und nicht (ver)urteilen.

Einzig und allein das, was zählt, bist du. Du und deine Gedanken. Du und deine Emotionen, die dieses Bild in dir auslöst.

Da spielt es dann keine Rolle mehr, was du fühlst. Es geht nur noch um dich, das Bild und den stummen Dialog, den ihr beide miteinander führt.

Ich habe mich selber mit eingangs gestellter Frage zum allerersten Mal im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Akademie für angewandte Fotografie in Graz www.fotoakademie.com beschäftigt. Dabei hatten wir so viel Zeit, wie wir eben benötigten, um unsere Empfindungen und Gedanken zu der uns gezeigten Fotografie zu Papier zu bringen. Zunächst nur in Form von Stichwörtern. Nach einiger Zeit wurden diese immer zusammenhängender, bis ich schließlich damit begann, ganze Sätze – aus meinem tiefsten Inneren kommend – zu bilden. Als mir nichts mehr einfiel und ich die geschriebenen Zeilen nochmals überflog, stand da plötzlich teils sehr Persönliches, teils sehr Emotionales, teils auch lange Vergessenes oder Verdrängtes. Am allermeisten beeindruckte mich jedoch, dass es allen Partizipanten so erging und zudem bei jeder und jedem Einzelnen etwas vollkommen Anderes auf dem Zettel stand.

Mit einem Mal war es uns möglich, Kunst aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten zu können. Sie zu unserer Kunst, einem Abbild unserer Person, zu machen und bei diesem Entwicklungsprozess ganz nebenbei auch unheimlich viel von uns selbst zu lernen.

Das habe ich vorhin auch mit Abenteuer gemeint.

„Das größte Abenteuer wartet nicht irgendwo da draußen, sondern in dir drinnen.“ (Herman Herzele)

Denn wenn du es zulässt, kann dieses Bild dein Leben verändern.

Ich möchte dich daher einladen, Stift und Papier zur Hand zu nehmen, nochmals ganz nach oben zu scrollen und dir ohne jeglichen Zeitdruck selber die abenteuerliche Frage zu stellen: „Was empfinde ich bei diesem Bild?“

Ich würde mich wahnsinnig über eine Antwort von dir freuen!

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